Künstler im Fokus
Erich Seidel: Meister der kleinen Form

Pose und Pathos lagen dem Künstler Erich Seidel fern, der in Dresden, Oberhausen und ab 1960 am Bodensee in der Nähe Otto Dix', mit dem ihn eine Freundschaft verband, wirkte. Sein Markenzeichen sind Aquarelle, Tempera- und Ölarbeiten kleinen Formats. In ihnen erforschte er ebenso respektvoll wie scharfsichtig das Geheimnis der Persönlichkeit, denn für ihn war der Mensch das malerische Wesen aller Dinge. Besonders sein Spätwerk, das ab 1960 am Bodensee entstand, zeichnet sich durch exquisite Farbgebung, verinnerlichte Schönheit und schwebende Poesie aus. Eine Kabinett-Ausstellung mit 14 ausgewählten Arbeiten von Erich Seidel können Sie betrachten, wenn Sie hier klicken.
   
Kunstwerk im Fokus:
Karl Schmidt-Rottluff: Stilleben mit drei Vasen vor Atelierfenster


Urformen auf der Fensterbank
Die 1950er und 1960er Jahre: Die Schlachten des Expressionismus sind seit langem geschlagen, die Trends der Neuen Sachlichkeit, der Hetze gegen die "entartete Kunst" und des hektischen Anschlusses an die moderne Kunstentwicklung der USA haben ihre Stunde gehabt, jetzt nehmen die Vertreter der klassischen Moderne ihr Schaffen wieder auf, dass für zwölf lange Jahre durch Berufsverbot oder Emigration unterbrochen oder eingeschränkt war. Karl Schmidt-Rottluff, einer der ersten und vielleicht der kraftvoll-ursprünglichste Vertreter des Brücke-Expressionismus, hatte in den 1940er Jahren nicht nur ein Ausstellungsverbot hinzunehmen, sondern auch den Verlust eines Großteil seines Werkes durch Beschlagnahmung und Kriegszerstörung. Jetzt greift er in Berlin wieder zum Pinsel. Das Stilleben wird neben der Landschaft zum bevorzugten Motiv. Das Arbeiten auf Papier, schon zur Brücke-Zeit von Schmidt-Rottluff gerne geübt, tritt gleichberechtigt neben das Schaffen in Öl. Die "stille Einfachheit der Dinge" liegt dem Künstler am Herzen, und so findet er seine Sujets in der unmittelbaren Nah-Umgebung. Drei Vasen auf der Fensterbank seines Ateliers sind es diesmal, die seinen Blick eingefangen haben. In den Formen typische Arbeiten der 1930er, auch 1950er Jahre, auf geometrische Grundformen und deren Kombinationen reduziert, der gestalterische Clou liegt in der Einschnürung oder in den umknickenden Winkeln, mit denen die einfache Form dynamisiert wird. Schmidt-Rottluff präsentiert diese einfachen Gefäße wie museale Exponate auf Sockeln, ein stark ausgeprägtes Licht- und Schattenspiel wirft - antinaturalistisch - flächig geschlossene fast schwarze Binnenzeichnungen auf die Oberfläche, die sich zu den Rändern hin in in vibrierende Farbverläufe auflösen und eher an wertvolle Schmucksteine als an glasierte Tonwandungen denken lassen. Die Spiegelung der Vasen auf dem glänzenden Untergrund wird von Schmitt-Rottluff in körperlich anmutender, blockig-fester Form wiedergegeben, so dass die Vasen-Körper wie in Szene gesetzt auf Sockeln zu stehen scheinen. Diese aus LIcht und Schatten erzeugten "Sockel" haben kein praktisches Gegenstück in der realen Alltagswelt, sie scheinen aus dem stofflich unklar gestalteten Vordergrund herauszuwachsen und mit sich die auf ihnen thronenden Vasen in die Höhe zu schieben. Unwillkürlich fühlt man sich an Gebirgsformationen erinnert, die sich mit unendlicher Geduld aus dem Erdboden auffalten und nach oben heben. Der nur scheinbar figürliche, schwer deutbare Hintergrund evoziert ebenfalls geologisches Wachstum: die drei von grauer Riefung markierten Stäbe im zentralen Hintergrund lassen Erinnerung an Stalagmiten oder urzeitliche riesige Schachtelhalme aufkommen, die seitlichen Strukturen falten eine Kulisse auf, die Blicke in das Erdinnere, sonnenbeschienene Gletscher und Pflanzenexotik früherer Errdzeitalter gleichermaßen andeutet. Vor ihr formen sich die drei solitären Gefäße zu Ur-Gestalten eigenen Rechts, die von menschlichen Artefakten in den Bereich primordialer Formen der Natur emporgewachsen sind. Mit dieser Mischtechnik-Arbeit hat der Künstler, ohne sein Atelier zu verlassen, eine Reise durch die Erdgeschichte angetreten, und eine gewöhnliche Alltagssituation in einen Zeitrahmen unüberschaubarer Weite eingespannt. Der Augenblick erhölt seinen unverlierbaren Auftritt im Drama der Ewigkeit.
Klassiker der Moderne

Karl Schmidt-Rottluff
Tuschpinsel und farbige Kreiden auf Papier, 39,5 x 53 cm rechts unten signiert
Privatbesitz seit den 1980er Jahren
 

Künstler im Fokus
Felix Samuel Pfefferkorn
Deutschlands meistgesuchter Künstler

Um den Künstler ranken sich Mythen und Legenden und ebenso zahllose wie erfolglose Versuche, ihm auf die Spur zu kommen. Nicht wenige wollen ihn am liebsten tot sehen, um einen greifbaren Beweis seiner Existenz vorweisen zu können. Doch der Künstler ist verschollen. Seit seinem spurlosen Verschwinden am 1. Januar 1980 gibt es kein Lebenszeichen mehr von ihm. Zeitzeugen berichten von Felix Pfefferkorn als augenfälliger und charismatischer Persönlichkeit der 68er Generation.
Doch sein Verschwinden vor über 40 Jahren löst bis heute Interesse aus, mehr über ihn zu erfahren, als das, was sein von ihm hinterlassenes umfangreiches Werk aussagt und und gar das, was er über sich selbst und sein Leben berichtete. Ein Artikel im „Spiegel“ verweist ohne nachprüfbare Quellenangabe auf angebliche Ermittlungen deutscher Landeskriminalämter, die sich mit der Suche nach Felix Pfefferkorn befasst haben sollen. Aber die ermittlungstechnischen Möglichkeiten stießen an ihre Grenzen und blieben ergebnislos.

Felix Pfefferkorn bleibt verschwunden und sein Verbleib ein Rätsel. Was schließlich findige Rechercheure auf den Plan rief, den abenteuerlichen Mythos ins Leben zu setzen, Felix Pfefferkorn selbst habe es gar nicht gegeben - wären da nicht die zahlreichen Gemälde und Zeichnungen, die er hinterlassen hat. Diese Spekulation veranlasste die Löschung eines Artikels in der Wikipedia. In einem neuen Eintrag wird nun sogar die These vom Phantom der Kunstgeschichte vertreten.
Felix Pfefferkorn hat mit seiner Unauffindbarkeit nahezu ähnliche Aufmerksamkeit erreicht wie der zeitgenössische Street-Art Künstler BANKSY. Jetzt wird überall nach Pfefferkorn geforscht, womit er zu einer der meistgesuchten Personen in Deutschland geworden ist.

Helfen auch Sie mit und suchen Sie nach Felix Samuel Pfefferkorn! Sachdienliche Hinweise sind erbeten und könnten dazu beitragen, eines der großen Geheimnisse des 20. Jahrhunderts zu lüften. Seine Gemälde finden sich im Angebot der Galerie von Abercron, die den künstlerischen Nachlass von Felix Pfefferkorn verwaltet und das Werkarchiv führt. Ihr Beitrag könnte helfen, die in Bearbeitung befindliche Monografie über den Künstler mit maßgeblichen Informationen zu ergänzen.

Beteiligen Sie sich an der Suche und fragen auch Sie in Ihrem Bekannten- und Freundeskreis nach Felix Samuel Pfefferkorn.


Felix Pfefferkorn Werke

Felix Samuel Pfefferkorn:

Selbstbldnis, Acryl auf Hartfaser, 60 x 50 cm
rückseitig signiert und betitelt "Felix by Felix"
Werkverzeichnis-Nr. III-17

 

     
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