April 2017
Kunstwerk im Fokus

Bernard Schultze: Porträt Bernard Schultze

Künstler-Mythologien

Der 1915 geborene Bernard Schultze zählt zu den großen Vertretern der nicht-figürlichen Malerei in Deutschland, den besonders der gestische Expressionsmus prägte. Auf der Suche nach dem unverwechselbaren persönlichen Ausdruck bezog er aber auch die figurative Gestaltung in seine Formensprache ein. So erschuf er 1961 den "Migof", ein Mischwesen mit pflanzlichen, tierischen und menschlichen Zügen, das aus dem Schaffen des Künstlers entsteht und eine eigene Existenz neben den Wesen der Natur führt. Es erwächst aus einem Gewirr von Linien und dem chaotischen Changieren der Farben und greift in den Skulpturen auch in den dreidimensionalen Raum hinein. In der barocken kleinteiligen Opulenz finden widersprüchliche Gefühle und Seelenregungen Ausdruck: die Bedrängnis durch eine unüberschaubar gewordene Außenwelt, die Gefährdung durch eine blind wuchernde Natur, die mit Ranken udn Fäden wie mit Tentakeln nach der Seele des Betrachters greift, aber auch Staunen über die unaufhaltbare vegetative Kraft der Schöpfung und die zahlreichen Formen, in denen Leben Ausdruck finden kann. Bedrohlich und selbst gefährdet erzählt der Migof von den Fährnissen der menschlichen Existenz eingebettet in die außerpersönliche Natur.

Porträt-Mappe Bernard Schultze mit 7 Blättern: Porträt Bernard Schultze, 1966, vollständige Mappe mit 3 Radierungen und 4 Serigraphien: 3 Radierungen von Bernard Schultze, alle signiert
und numeriert (eine Radierung betitelt "Chronik des Migofs" und handkoloriert), je 51 x 49 cm; 3 Farbserigraphien nach Fotografien von Karin Szekessy (*1938 Essen), alle von Schultze und Szekessy signiert: 1 Serigraphie mit Text des Künstlers, signiert, je 65 x 50 cm
Titelblatt mit Impressum und Numerierung: 16/60
Auf 60 Exemplare limitierte Auflage. Herausgegeben von Dieter Brusberg, Hannover. In originaler Karton-Flügelmappe

     
 

März 2017
Kunstwerk im Fokus

Joachim Palm: Gesprächsgruppe

Geschlossene Gesellschaft

Der 1936 in Potsdam geborene Joachim Palm studierte von 1957 bis 1962 an den Kunsthochschulen in Berlin und in München (u.a. bei Mac Zimmernann). Er wurde Mitglied der Neuen Gruppe München. 1970/1971 lebte er als Stipendiat der Villa Massimo in Rom. Ab 1980 unterrichtete er als Professor für Malerei an der Fachhochschule Augsburg. Er wurde zunächst für seine technisch versierten und experimentellen Radierungen bekannt. Ab 1985 wandte er sich der Bildhauerei und Kleinplastiken zu. Sein Thema ist der moderne Mensch in der Stadt. Scharf betonte Silhouetten, gelängte Formen und hierarchische Gruppierungen beschreiben die menschliche Existenz im Spannungsfeld von Vereinzelung und Gruppenzwang. In der chiffrenhaften Überzeichnung der menschlichen Gestalt und der Erkundung der Anonymisierung in der modernen Gesellschaft ist Joachim Palm Gerhard Elsner, dem Maler des modernen urbanen Menschen, an die Seite zu stellen. Die Plastik "Gesprächsrunde" greift die Form der Blockplastik auf. Wie in altägyptischen Porträtplastiken verschmelzen hier die Körper und die Stühle der Menschen in der unteren Hälfte zu einem geschlossenen Kubus. Aus ihnen wachsen die Büsten der vier diskutierenden Männer heraus, sie alle enden in raubvogelhaft scharfen Profilen, die einander mit geometrischer Präzision in rechten Winkeln zugewandt sind. Die Gesichter erinnern an Masken oder archaische Kampfhelme, mit denen sich die Kombattanten im unversöhnlichen Kampf der Argumente gegenüberstehen, die in der Mitte des Tischs geknäult ineinander gefügten Hände verraten jedoch, dass ein Band alle miteinander verschweißt hat. Unauflöslich sind die Bande der Sozialisation.

Joachim Palm *1936: Gesprächsrunde. Bronze vernickelt, 1991, rückseitig ritzmonogrammiert "J.P." und datiert. Maße des Sockels: 29 x 30 cm, Maße der Plastik: ca. 15,5 x 33 x 13 cm (B x H x T)

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Februar 2017
Kunstwerk im Fokus

Gerhard Elsner: Personen hinter Farbvorhang

Schaufenster der Anonymität

Zentrales Thema im Schaffen Gerhard Elsners ist die menschliche Existenz unter den Bedingungen der Moderne. Er befragt die Lebensweise in der Großstadt darauf, wie Architektur, gesellschaftliche Rollen und soziale Bindungen die Individualität der Person beeinflussen und verändern. Elemente der modernen Architektur werden zu Chiffren für Seinsweisen, wie hier das Fenster. Es steht für die durchsichtig gewordene Grenze zwischen Innenwelt und Außenwelt, die dem Maler-Betrachter einen Blick in die Intimität der Existenz ermöglicht. Das bodenlange Fenster erinnert an Kaufhaus-Vitrinen, in denen die Figuren wie Schaufensterfiguren dem Blick preisgegeben sind. Der Betrachter wird dem Konsumenten angenähert, der einschätzende Blick des Beobachters wird zum taxierenden Blick des potentiellen Käufers. Gleichzeitig reflektiert Elsner in dem Gemälde die vermittelnde Rolle des Künstlers. Die Fensterrahmung erinnert an einen Bilderrahmen, durch die angeschnittene Darstellung wird diese kompositionelle Funktion noch betont. Einem Vorhang gleich rieseln rote Farbrinnsale das Fenster hinunter und weiße Schlieren ziehen über das Glas. Hinter ihnen verschwimmen die Konturen der Figurensilhouetten, die Gesichtszüge der Personen liegen im Schatten der Farbe. Das Geheimnis der Individualität bleibt ungreifbar.

Personen hinter Farbvorhang, 2009, Ölgemälde auf Leinwand, 120 x 100 cm, links unten signiert und datiert.
Im originalen Künstlerrahmen
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Januar 2017
Kunstwerk im Fokus

Otto Geiß: Ouvertüre für Blau-Violett, 1975

Im Garten der Töne

Den 1939 in Augsburg geborenen Otto Geiß führten verschlungene Pfade zur Kunst. Ausbildung zum Dekorateur, grafisches Studium an der Werkkunstschule, Beschäftigung mit Buddhismus, gestalterische Tätigkeit in der Werbebranche verliehen ihm das handwerkliche und gedankliche Rüstzeug. Die Begegnung mit der Kunst Ernst Fuchs' und des Wiener Phantastischen Realismus war der Katalysator, dank dessen Geiß sich seines eigenen Stils vergewissern konnte. Sein bildnerisches Werk ist unverkennbar mit dem grotesk-phantastischen Humor und dem ins Surreale enthobenen Detailreichtum. Weltlust und Daseinsfreude sprechen aus der liebevollen Versenkung in die feinsten Einzelheiten der Wirklichkeit ebenso wie aus der unerschöpflich sprudelnden Lust an der Metamorphose der Realität und der Erfindung neuer Wesen. Der Maler entführt in eine Welt voller fabulöser Figuren, belebter Statuen, wandelnder Maschinenwesen, Hybriden zwischen Pflanzen- und Menschenwelt. Umfangen wird die Szenerie von einer nebelhaften Gebirgskette, die mit ihrer organisch zerfurchten knolligen Oberfläche an die Landschaftshintergründe der Donauschule erinnert und gleichzeitig das Shangri-La des Himalayas, einen vor den Gefährdungen der Welt abgeschiedenen paradiesischen Schutzraum evoziert. Im Schatten der Gipfel regiert das bläulich-violette Licht des Übergangs des Tags in die Nacht. Eine grelle Lichtbahn erhellt die Bildmitte, in der eine rätselhafte Zeremonie vorbereitet wird. Bizarre, mit barock verschnörkelter Fantasie ausgestaltete Mischwesen gleiten durch die Luft, und über allem präsidiert ein Katzenidol mit maskenhaftem Lächeln. Mit überbordender Einfallskraft schafft der Künstler ein phantastisches Bühnenbild für eine noch zu schreibende Oper der mystischen Farben Blau und Violett.

Otto Geiß (1939 Augsburg - 2005):
"Ouvertüre für Blau-Violett", 1975, Acryl auf Leinwand, 73 x 143 cm, rechts oben signiert und datiert. Verso auf Keilrahmen mit Bleistift betitelt. Im schwarz lasierten Holzrahmen
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